7. Rundbrief
Chennai, 30.11.2008
Hallo zusammen,
wo Licht ist, ist auch Schatten. Diese für uns sehr schmerzliche Erfahrung mussten wir vor wenigen Tagen machen.
Unsere Sweety hat ihre Reise in den Katzenhimmel angetreten. Hinter uns liegen einige sehr traurige Tage. Angefangen hat alles damit, dass unsere Susi rollig geworden war. Die zwei sind maximal ein halbes Jahr alt! Manche Dinge gehen in Indien scheinbar schneller als erwartet. Also haben wir sie beide zur Sterilisation gebracht. Das Drama mit weiteren Katzenbabys wollten wir uns halt ersparen. Sweety war bereits kurz nach der Operation fit und auf den Beinen. Sie hat gefressen und auch ihre Katzentoilette benutzt. Am Tag danach hat sie sich dann nachmittags verkrochen, und wir haben uns nichts weiter dabei gedacht. Sie schien ja auf und gesund zu sein. Am nächsten Tag kam sie morgens nicht zu Fressen. Ich dachte mir nichts Gutes, habe aber auch nur flüchtig das Haus abgesucht. Annelie hat dann, nachdem alle aus dem Haus waren, ihren morgendlichen Hundespaziergang unternommen. Als sie zurückkam, hat sie Sweety dann unter der Treppe gehört (....). Sie fuhr natürlich sofort mit ihr zum Tierarzt, der eigentlich ab 9:00 Uhr Sprechstunde haben sollte. Als sie eintraf, war es bereits nach 10:00 Uhr, aber der Arzt war noch auf dem Weg! Sweety ging es inzwischen schlechter (Details möchte ich nicht beschreiben), und in der Tierarztpraxis hat sie uns dann für immer verlassen.
Konjunktive über Konjunktive haben sich seit dem für uns aufgeworfen. Hätte, sollte, dürfte, müsste. Aber es ist nicht zu ändern. Trotz der vielen Fragen, die man sich stellt. Sebastian hat ein tolles Kreuz aus Palmenblätterstielen gebastelt, und wir haben alle viele Tränen vergossen. Jeder von euch, der schon mal ein geliebtes Tier verloren hat, weiß wovon ich spreche. Der liebe Gott hat sie uns ja vor nicht so langer Zeit geschenkt, aber warum sie diese schöne Welt so schnell verlassen musste, bleibt sein Geheimnis. Für immer und ewig.
Aber wir grübeln trotzdem darüber nach, warum, warum, warum........
Es bleibt uns nur noch ein leises Servus. Mach's gut kleine, liebe Sweety. Wir vermissen dich sehr !!!
So, jetzt muss ich erst mal aufhören zu schreiben. Ich sehe nichts mehr….
Nach den obigen Zeilen, die ich gestern geschrieben habe, musste ich erst mal eine Auszeit in Form eines Bieres in der Bar im Untergeschoss nehmen. Ach so, dass habe ich in der Aufregung ja noch nicht erzählt. Im Moment bin ich auf einer Dienstreise in Korea. Doch dazu später mehr!
Auch von Indien aus ist das noch ein weiter Weg. Zunächst in dreieinhalb Stunden nach Singapore, dann vier Stunden Aufenthalt. Es folgt ein sechsstündiger Flug nach Seoul gekrönt von einer einstündigen Busfahrt zum Hotel. Danach tun einem sämtliche Backen weh. Versprochen.
Hyundai bewirtschaftet in Seoul ein eigenes Hotel namens "Rolling Hills", das man nicht im Internet findet, da es ausschließlich als Gästehaus genutzt wird. Meiner Einschätzung müsste es vier bis fünf Sterne haben. Also wirklich gut für geschundene Backen.
Nun sitze ich also hier als einzige Bleichnase zwischen meinen indischen Mitstreitern. Und mir wird bewusst, dass wenn man Indien nicht kennt, dann erscheinen einem die Inder im Ausland doch als sonderbares Völkchen. Im Vergleich zu Indien ist es hier kalt. Ganze 24°C schafft das Thermometer am Hoteleingang. Das führt dazu, dass meine Mitstreiter teilweise in dicken Winterjacken am Esstisch (!) sitzen. Was die kulinarischen Leckereien des Büffets angeht, sind die Inder das am wenigsten experimentierfreudige Volk, das ich je kennen gelernt habe.
Morgens beim Frühstück fängt es an. Verzweifelt wird die warme Milch für den Kaffee gesucht und beim Ober angefordert. In Indien ist das halt normal. Aber hier steht die abgepackte Kaffeemilch neben dem Kaffee. Völlig befremdend. Kein Mittagessen oder Abendessen ohne Reis und Chapati (dünnes Fladenbrot). Mein Tischnachbar fragt mich, ob ich denn kein Reis möge, da ich mich mit anderen Leckereien beschäftige. Ich sage ihm, dass ich sehr wohl Reis mag, aber heute keinen großen Hunger habe. Das war nur die halbe Wahrheit. Am Freitag ist noch zum Abschluss eine Stadtrundfahrt vorgesehen. Mittags gehen wir wohin essen? Aber sicher. In ein indisches Restaurant. In Korea!!!!! Unglaublich, aber ihr hättet mal die strahlenden Gesichter meiner Seminarkollegen sehen müssen, als sie das gehört haben.
Und schwups machen wir mal einen Zeitsprung!
Ihr habe euch sicher schon gefragt, wo denn der Oktober Rundbrief bleibt? Mittlerweile haben wir Ende November, und ich habe mich entschieden dieses Mal einen Oktober / November Rundbrief zu schreiben. Warum? Es ist relativ einfach. Der Oktober war voll gestopft mit einer Dienstreise, Ereignissen, Festivals und sonstigen angenehmen Dingen. Wir nehmen doch mit was wir kriegen können.
Tag der Deutschen Einheit
Ich habe davon Videos gemacht, um euch besser auf dem Laufenden zu halten! Und die Aufarbeitung der Videos kostet viel, viel Zeit. Zeit, die ich unter der Woche einfach nicht habe, denn ich muss ja von Freizeittermin zu Freizeittermin (und auch noch arbeiten!!). Also bleiben nur die Wochenenden, um euch zu zeigen was hier so los ist. Aber auch an den Wochenenden haben wir einiges unternommen, und Videos gedreht. Und so kommt es, dass ....... ach, Geschmarre .... lest einfach weiter, und folgt den Links!
Los ging's mit dem Tag der deutschen Einheit. Das deutsche Generalkonsulat hat dazu alle Deutschen in Chennai eingeladen. Gefeiert wurde in einem Hotel wegen der Vielzahl der geladenen Gäste. Nach der Ansprache des Generalkonsuls Roland Herrmann haben wir die indische und die deutsche Nationalhymne gesungen, und uns anschließend am reichhaltigen Büffet gelabt. Lecker war's!
Oktoberfest
Zwei Tage später ging es dann schon weiter. Die Lufthansa hatte zum "Oktoberfest" eingeladen. Beim Tag der deutschen Einheit haben wir diese erfreuliche Nachricht vernommen, und unsere Teilnahme beschlossen. Es sollte doch deutsche Musik und deutsche Küche geben! Und gekostet hat's nix ...
Na ja, es gab tatsächlich unter anderem Sauerbraten, aber so richtig deutsch hat er nicht geschmeckt. Aber immerhin ..... Rainer, nicht undankbar sein! Ich hatte ja auf ein richtiges Weizenbier gehofft, aber es war nur indisches Kingfisher ... Aber die Band wurde extra aus Deutschland eingeflogen!
Feste über Feste
Wie bitte? Ich habe euch Videos versprochen? Ach so, na dann auf geht's!
Der Oktober ist der Monat der indischen Feste. Das erste gleich am 02.10.
Es heißt "Gandhi Jayanathi", Gandhi's Geburtstag. An diesem Tag ist die Firma geschlossen, und einer kleinen Tradition folgend, haben die Büromitarbeiter auf privater Basis einen Ausflug unternommen. Es ging mit kleinen Fischerbooten raus aufs Meer zum Baden. Schaut doch mal:
http://de.youtube.com/watch?v=qrl5aNN7aBA
Schlag auf Schlag das nächste Fest. Wir waren eingeladen bei Ram, einem Arbeitskollegen. Das Fest heißt Navarathiri, und ist in eine Reihe von aufeinander folgenden Festen eingebettet. Zu diesem Fest werden Figuren aufgestellt, die unter anderem Lebenssituationen der Familie darstellen. Freunde und Verwandte besuchen sich gegenseitig, und es gibt Snacks, Kaffee und Tee.
http://de.youtube.com/watch?v=N4-pG9TqqH4
Wenige Tage später folgt dann "Ayudha Pooja" (ausgesprochen wird das "Aida Putscha"). Eine Pooja ist eine Verehrung der Götter, bei der Opfergaben gereicht werden. Bei der Ayudha Pooja wurden früher die Waffen geehrt. Da aber heute keiner mehr mit einem Dolch durch die Straßen läuft, wird nun das Göttliche in den Alltagsgegenständen verehrt. Dazu wird alles entsprechend geschmückt und Blumen, Bananen und Kokosnüsse "geopfert".
Zu Hause hat Alex eine Pooja für unser Auto zelebriert. Obwohl Alex ja Christ ist, kommen die ursprünglichen Wurzeln manchmal durch. Eine gewisse Vermischung ist also zu beobachten. Übrigens, über die Zitronen zu fahren bringt besonderes Glück!
In der Firma haben wir die Maschinen zwar nicht über Zitronen geschoben, aber unsere Pooja haben wir auch gehabt. An diesem Tag hat jeder Mitarbeiter der Firma ein paar Süßigkeiten und eine Reisetasche erhalten. Hier also das nächste Video:
http://de.youtube.com/watch?v=FO4CazQ9MgM
Mitte Oktober führte mich eine Dienstreise nach Korea. Unser Kunde Hyundai veranstaltet jährlich ein Lieferantenseminar in einem seiner koreanischen Werke. Dieses Mal wurde mir die Ehre zuteil, daran teilnehmen zu dürfen. Damit beim Betrachten des Videos kein falscher Eindruck entsteht: Wir haben tagelang Präsentationen über Lieferanten Fragestellungen gesehen und diskutiert, Zulieferwerke und deren Arbeitsweise besichtigt und auch bei Hyundai Teilbereiche besucht. Im Video ist davon so gut wie nichts zu sehen. Schließlich werden die meisten Verantwortlichen zappelig, wenn man mit Fotoapparaten oder Videokameras auftaucht. Ins Hyundai-Werk darf man sogar weder Laptop noch Handy mitnehmen!
Aber wir haben auch einen Tag Sightseeing gemacht. Das wiederum ist verstärkt im Video zu sehen. Übrigens, die Kommentare sind in Englisch, da ich das Video allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt habe. Aber ich denke, man kann alles verstehen! Viel Spaß mit einigen Eindrücken aus Korea. Es gibt hier leider Teil 1 und 2, da die Länge im Netz begrenzt ist:
Teil 1:
http://de.youtube.com/watch?v=dlp0DELDR-Q
Teil 2:
http://de.youtube.com/watch?v=dNe0Xq6CdWI
Nach harter Arbeit in Korea geht der Freizeitstreß in Chennai weiter. Diwali, das indische Lichterfest steht vor der Tür. Es ist das bedeutendste Fest in der Hindu Welt. In etwa gleichzusetzen mit unserem Weihnachtsfest.
In den verschiedenen Teilen des indischen Subkontinents wird das Fest sehr unterschiedlich gefeiert, mit vielfältigen Bräuchen und unterschiedlichen mythologischen Bezügen. Je nach Region dauert es zwischen einem und fünf Tagen.
Für viele Hindus, besonders in Nordindien, geht es auf den Tag zurück, an dem Gott Rama mit seiner Frau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14-jährigem Exil im Dschungel in seine Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte. Da es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen entlang seines Wegs.
Im Süden Indiens dagegen sehen die Menschen in Diwali einen Bezug zu Krishna, der einen Dämonen besiegt und sechzehntausend Frauen befreit hatte, die sich in der Gefangenschaft des Dämons befanden.
Zum gemeinsamen Ritual des Festes gehört, dass die Menschen früh aufstehen und ein Bad nehmen, möglichst mit wohlriechendem Öl. Man trägt meist neue Kleider, besucht sich gegenseitig, und beschenkt sich mit Süßigkeiten. Schon Tage vor dem Fest werden überall auf den Straßen Knallfrösche und anderes Feuerwerk entzündet, am Feiertag selbst kracht und knallt es überall, ähnlich wie in Deutschland zu Silvester.
Wesentliches Element von Diwali sind die Lichter. Waren es ursprünglich nur kleine Öl-Lampen - in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt - sind es heute zunehmend elektrische Lichterketten, die Wohnhäuser, Geschäfte und Straßen im ganzen Land erleuchten.
Wir nutzen die Diwali-Ferien der Kinder und gönnen uns, entsprechend unseres schmalen Geldbeutels, einen schmalen Urlaub. Wir verbringen ihn ca. 10 km (!) von unserem Haus entfernt in einem Strandhotel. Warum doch so weit weg fahren? Wer hat das eben gefragt? Ganz einfach. Wir wollen nur mal die Seele baumeln lassen, und mal nicht selbst einkaufen und kochen müssen. Seht selbst:
http://de.youtube.com/watch?v=uIRlELTiY6M
Was hast du gesagt, Annelie? Ja, ich mache ja schon Platz....
Also wirklich! Wenn Rainer mal am schreiben ist, dann habe ich fast keine Chance. Ich möchte einen dicken Dank loswerden für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag, die mich per Mail, Videokonferenz und Telefon erreicht haben.
Wir haben meinen Geburtstag nur im kleinen Kreis gefeiert. Rainer hat oben ja geschrieben, dass zu Diwali Feuerwerk gezündet wird. Dies war genau an meinem Geburtstag der Fall.
Rainer hatte im Dachrestaurant eines Hotels einen Tisch reserviert, und so haben wir gemeinsam mit Melanie und Werner gut gegessen und das Feuerwerk genossen. Rainer sagte zwar, dass das Feuerwerk im letzten Jahr deutlich länger ausgefallen war (er sprach von über zwei Stunden; kein Witz!), aber ich war mit dem ersten Feuerwerk im Leben zu meinem Geburtstag sehr zufrieden!
Rainer hat mir zum Geburtstag indischen Schmuck geschenkt. Ich trage ihn täglich und werde dafür viel bewundert. Ihr wollt doch bestimmt wissen was es ist? Als erstes habe ich einen Nasenstecker bekommen. Klingt in Deutschland komisch. Das weiß ich. Aber ich finde er sieht toll aus! Das zweite sind Eheringe. Auch das klingt jetzt komisch. Aber Eheringe, die übrigens nur die Frauen tragen, sitzen auf den beiden zweiten Zehen (neben dem großen Zeh). Um zu wissen, ob eine indische Frau verheiratet ist, muss man ihr also auf die Füße gucken. Ist doch interessant, oder?
So, jetzt mache ich Rainer wieder Platz. Bis bald mal wieder!
Ja, danke. Ich bin für heute aber fast fertig.
Ende November hat die hiesige Zeitung "The Hindu" ein Musikfestival, das "November Fest" veranstaltet. Es waren insgesamt sieben Konzerte, und wir haben uns alle angehört bzw. angesehen. Geboten wurden sieben verschiedene Musikrichtungen. Alle indisch, bis auf ein deutsches Jazzkonzert mit dem Thomas Siffling Trio. Eine tolle Erfahrung in Summe! Ich konnte sogar einige Videosequenzen aufnehmen. In Deutschland ja undenkbar. Da ich natürlich wieder einige Tage für die Aufbereitung brauche, werde ich euch das Video im Dezember-Rundbrief präsentieren. Sonst bin ich ja wieder so spät dran....
Also, macht's gut bis zum nächsten Monat!
Rainer, Annelie, Sebastian und Daniel










